Geschlechtsreife – Läufigkeit

Dackelhündinnen erreichen ihre Geschlechtsreife mit dem 6. - 12. Lebensmonat, d.h. sie werden das erste Mal läufig.

  • Die ersten Läufigkeitstage nennt man Proöstrus
  • Die kritische Zeit nennt man  Östrus
  • Die Zeit der Trächtigkeit nennt man Metöstrus
  • Den geschlechtshormoneller Ruhestand nennt man Anöstrus

Die hormonelle Umstellung des Körpers auf die Geschlechtsreife hin wird auch bei Hunden als Pubertät  bezeichnet. Das heißt, dass Rüden und Hündinnen in dieser schwierigen Zeit eine Wesensveränderung durchmachen. Beide werden u.a. empfindlicher, unsicher, ängstlicher, anhänglicher und zeigen oft Fehlreaktionen in ihrem Verhalten, wie Schreckhaftigkeit, Freßunlust oder -gier, Unfolgsamkeit, Unkonzentriertheit, Gereiztheit, ja sogar Angstbeißen, wenn sie in Bedrängnis kommen.

Deshalb ist es äußerst wichtig, dass der Mensch feinfühlig mit diesen Tieren umgeht. In der Zeit vor und während der Läufigkeit sollte man seine Hündin liebevoll und rücksichtsvoll behandeln, keine Leistung erzwingen und keinen Hundesport betreiben. Scharfe Worte, Maßregeln, Strenge und Zwang prägen sich als schlechte Erfahrung in die Hundeseele ein und können später zu ernsten Störungen der guten Beziehung Mensch - Hund führen.

Nicht umsonst nennt man die Zeit vor der Geschlechtsreife

auch die zweite Prägungsphase.

Die Läufigkeit geht bei der Hündin mit einer deutlichen Anschwellung der Vulva und Austritt von blutigem Sekret, das mit Duftstoffen zur Fortpflanzung angereichert ist, einher.

Proöstrus

Die ersten Läufigkeitstage, der Proöstrus, dauern ca. 7 - 10 (18) Tage. Das blutige Sekret wird von der Hündin durch häufiges Lecken entfernt. Bei starken Blutungen kann man auch ein Läufigkeitshöschen im Zoohandel erwerben. Im Proöstrus wehrt die Hündin den schon stark interessierten Rüden energisch ab.

Östrus

Die kritische Zeit - der Östrus - schließt sich zwischen dem 10. und 20. Tag nach dem ersten Blutungstag an. Das vorher blutige Läufigkeitssekret wird hellrosa und wässriger. In dieser Zeit ist die Hündin deckbereit, d.h. sie wehrt den Rüden nicht mehr ab, sondern steht mit nach der Seite gedrehter Rute, um sich paaren zu lassen.

Wenn der Fortpflanzungstrieb entsprechend groß ist, läuft die Hündin sogar weg und sucht sich einen Rüden zur Paarung! In der kritischen Zeit sollte die Hündin stets angeleint ausgeführt werden. Es ist ratsam, einsame Wege zu den nicht von Fußgängern bevorzugten Zeiten zu gehen, damit die Hündin sich in Ruhe lösen kann. Auch dem Rüdenbesitzer gegenüber ist es fair, wenn man seine läufige Hündin von der Hundespielwiese fern hält.

Die Rüden leiden sehr, wenn sie Duftstoffe des Läufigkeitssekretes aufnehmen. Der Fortpflanzungstrieb macht die Rüden unruhig, sie winseln, wollen dauernd raus um zu schnüffeln oder gehen durch. Sie fressen nicht mehr und rauben Herrchen und Frauchen den letzten Nerv. Lebt ein Rüde in der Nachbarschaft von mehreren Hündinnen, so kommt er kaum noch aus seiner Trieblage heraus. Die Folge dieses sexuellen Triebes ist eine andauernde Samen- und Prostatasekretproduktion.

Durch den Anstau dieser Sekrete in der Prostata kommt es zur Prostataschwellung, später zur Prostatavergrößerung, zu Zystenbildungen, zur Prostataentzündung bis zu Prostataabszessen. Der Rüdenbesitzer bemerkt, dass, unabhängig vom Harnabsatz, Blutstropfen aus der Harnröhre fließen. Unterbauchschmerzen und erschwerter Kotabsatz, der durch die angeschwollene Prostata behindert wird, sollten schnellstens durch den Haustierarzt behandelt werden.

Vorbeugend gibt es Hormonspritzen zur sexuellen Ruhigstellung vor den Läufigkeits- terminen der Nachbarhündin. Wenn sich beim Rüden schon Prostataerkrankungen eingestellt haben, sollte man mit seinem Haustierarzt über eine Kastration sprechen.

Metöstrus

Dem Östrus schließt sich der Metöstrus an, der 2 - 3 Monate andauert. In dieser Zeit beherrscht das Schwangerschaftshormon Progesteron den Hormonhaushalt der Hündin. Wurde sie gedeckt, entwickeln sich die befruchteten Eier zu Embryonen, die ab dem 20. Tag nach dem Deckakt in der Gebärmutter per Ultraschalluntersuchung nachgewiesen werden können. Das Hormon Prolaktin lässt das Gesäuge anwachsen und zum Zeitpunkt der Geburt ist die Milch eingeschossen. Die Geburt der Welpen erfolgt ca. 56 - 64 Tage nach dem Deckakt.

Auch wenn die Hündin nicht gedeckt wird, kann das Gesäuge stark anschwellen und Milch einschießen. Die Hündin ist scheinträchtig. Bei der ungedeckten Hündin gehen die Läufigkeitsanzeichen deutlich zurück. Die Vulva ist wieder abgeschwollen, die immer noch interessierten Rüden werden abgewehrt und das Wesen der Hündin normalisiert sich wieder.

Anöstrus

Im anschließenden Anöstrus besteht ein geschlechtshormoneller Ruhezustand. Diese Geschlechtsruhe ist die beste Zeit für Reisen, Ausbildung und sportlichen Prüfungen; sie dauert ca. 90 Tage. Als Besitzer einer Hündin ist es ratsam den Zyklus seines Tiers im Kalender vom 1. Blutungstag an aufzuschreiben und zu kommentieren. Die Regelmäßigkeit des Zyklus spricht für einen intakten Hormonhaushalt.

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